Minutenlanger Beifall der mehr als einhundert Anwesenden stand am Ende der Darbietung des REFUGIO-CHORS, der mit dem Mauthausen-Zyklus der griechischen Antifaschisten Mikis Theodorakis und Iakovos Kambanellis die Zuhörer in seinen Bann gezogen hatte.
In dem vier Lieder umfassenden Zyklus nehmen sowohl der Dichter als auch der Komponist eine ganz persönliche Verarbeitung des Faschismus vor. Diese bleibt aber nicht bei der Wiedergabe der von ihnen selbst erlebten Hölle stehen.
Die Kantate enthält auch die hoffnungsvollen Perspektiven einer befreiten Gesellschaft, die als Schlüssel für ein menschliches Zusammenleben gezeichnet wird.
Vorher hatte unsere Initiative in ihrer Rede auf die Bedeutung der Befreiung vom Faschismus als Schlüssel für unsere heutige demokratische Verfassung hingewiesen und unter großem Beifall gefordert, den 8. Mai zum Feiertag zu erklären.
Unsere beiden Siedlungen dienten als Mikrokosmos, in dem sich 13 Jahre lang die faschistische Herrschaft gegenüber Bewohnerinnen und Bewohnern mit der ihr eigenen Gewalt und Unmenschlichkeit ausgetobt hatte.
Nie darf der Gattungsbruch des Faschismus vergessen oder kleingeredet werden.
Nie darf vergessen werden, dass die deutschen Antifaschisten nicht stark genug waren und der Faschismus in Deutschland von der antifaschistischen Koalition der Alliierten zerschlagen wurde.
Und nie darf vergessen werden, dass die Souveränität der Bundesrepublik Deutschland von den Siegermächten nur auf der verfassungsmäßigen Grundlage eines antifaschistischen Konsenses zuge-standen wurde.
Wenn heute dieser antifaschistische Auftrag geleugnet, ja Antifaschismus diskreditiert und sogar kriminalisiert wird, dann müssen wir gegen diese Geschichtsvergessenheit laut antreten und sie als das bezeichnen, was sie ist:
als einen direkten Angriff auf unsere Demokratie und ihre Inhalte, wie Meinungs- und Pressefreiheit, Gewaltenteilung, Rechtsgleichheit oder Versammlungsfreiheit.
In diesem Sinne sind wir alle Antifaschisten, denn Demokratie und Antifaschismus sind in Deutschland untrennbar miteinander verbunden.
Nie wieder Faschismus - nie wieder Krieg! war und bleibt die Lehre des heutigen Tages.